Einige Worte an alle Kritiker unserer Anliegen !

In vielen oberflächlichen "Diskussionen" tauchen häufig polemisierende Floskeln ("Totschlagargumente") auf, die aber keine wirkliche Argumentation darstellen.
Hier eine Auswahl der Einfallslosesten und unsere Meinung dazu:

 


... Wer es ruhig und beschaulich haben möchte, darf nicht in die Altstadt ziehen ...

Diese Totschlagphrase unterstellt, dass Ruhestörung, Sachbeschädigung und vielleicht sogar Körperverletzung in Ordnung sind, dass dagegen nichts gemacht werden kann und man das zu akzeptieren hat. Ist das nicht ein armseliges Rechtsverständnis?

Also komme uns bitte keiner mit diesem primitivsten aller Scheinargumente. Wir antworten darauf:
Wer in die Altstadt geht, um die Sau rauszulassen, der muss begreifen, dass er auf engstem Raum potenziell mehr als 10.000 Bewohner drangsaliert und sein Vergnügen über das existenzielle Wohl anderer stellt !
Damit wäre ein idiotisches Möchtegern-Argument ausgehebelt; ausserdem haben wir für alle restlichen Ignoranten noch folgende Argumente:

  • Viele Altstadtbewohner leben schon seit Jahrzehnten in der Altstadt und mussten die Verschärfung der Lage erst nach und nach miterleben.
  • Viele Altstadtbewohner haben dort Wohneigentum. Sie können und wollen dies nicht aufgeben.
  • Viele Altstadtbewohner haben einiges Geld für den Erhalt und die Verschönerung ihrer Immobilien - auch zum allgemeinen Nutzen - eingesetzt. Dann zu verlangen, dass man sich davon trennt, ist fast schon menschenverachtend.
  • Viele Altstadtbewohner sind Senioren oder krank und wären gar nicht mehr in der Lage, die Wohnung zu wechseln.

Keiner erwartet absolute Stille, wir sind realistisch genug zu sehen, dass das nicht eintreten wird. Aber wir erwarten, dass vermeidbarer Lärm unterbleibt, denn in der Altstadt gelten dieselben Gesetze wie überall. Sie ist kein rechtsfreier Raum.
Schon gar nicht steht es irgend jemandem zu, uns vorzuschreiben, wo wir zu wohnen haben!

Wohlgemerkt: Es gibt sowohl ein juristisches wie auch ein moralisches Recht auf Ruhe, körperliche Unversehrtheit und Schutz des Eigentums - und das gilt auch für Altstadtbewohner!


 ... Jeder war doch einmal jung ...

Selbstverständlich kann jeder seine Jugend so ausgestalten, wie er/sie das für richtig hält - solange das nicht auf Kosten anderer geht. Außerdem heißt "jung sein" nicht, dass man für alles einen Freibrief hat.
Unsere Kritik richtet sich auch nicht pauschal gegen eine altersmäßige Personengruppe (also nicht: „die Jugendlichen, die Studenten, ..."), sondern gegen alle, für die Rücksichtnahme ein Fremdwort ist, und daran mangelt es ja auch unter Erwachsenen nicht.

 

... Regensburg ist doch eine Studentenstadt / eine junge Stadt ...

Falsch!  Regensburg ist allenfalls Hochschulstadt. Studenten oder Jugendliche bilden lediglich eine von mehreren gleichberechtigten Bevölkerungsgruppen und können daraus keinen Anspruch auf bevorzugte Behandlung ableiten, schon gar nicht, wenn dies zu Lasten anderer geht. Oder sind Kranke und Senioren weniger wert??

 

... Leben und leben lassen ...
... Ich bin doch ein freier und mündiger Bürger ...
... Das gehört zur "Liberalitas Bavariae" ...

Lauter nette Sprüche - aber höchst verantwortungslos und ohne Problembewusstsein und Lösungsansätze. Die Freiheit des Einzelnen hört nämlich dort auf, wo das Recht und die Unversehrtheit eines Anderen tangiert wird!

... Wo soll man denn sonst zum Feiern gehen? ...

Warum veranstalten Partywütige ihre Partys und nächtlichen Umtriebe eigentlich nicht dort, wo sie selbst, ihre Eltern, ihre Nachbarn wohnen - am Stadtrand oder in den Umlandgemeinden und benehmen sich dort wie die Axt im Walde? Könnte es sein, dass dort ihre eigene Nachbarschaft umgehend Alarm schlagen würde?
Also: Warum sollte es dann ausgerechnet in der Altstadt ungebremst möglich sein?
 

... Die Altstadtbewohner müssen viel mehr Toleranz und Verständnis aufbringen ...
Eine totale Verkennung der Situation. Die jetzige Lage entstand schließlich nicht schlagartig. Die Altstadtbewohner sind in punkto Verständnis und Toleranz bereits lange in Vorleistung getreten und ertragen schon seit einigen Jahren die zunehmende Verschärfung der Zustände. 
Es ist aber leider so, daß die Mehrzahl der Altstadtbesucher sich bereits so sehr an die vermeintliche Narrenfreiheit gewöhnt hat, dass unsere Zielsetzung dann auf vereinzelte Ablehnung stößt.

 

... Wer die Vorzüge des Wohnens in der Altstadt in Anspruch nimmt, muss jegliche Unannehmlichkeit in Kauf nehmen ...

Moment! Worin bestehen denn eigentlich die angeblichen Vorzüge des Lebens in der Altstadt, außer dem schönem Ambiente? Wer so „argumentiert“, der zeigt, dass er keinerlei Ahnung von den Lebensumständen in der Regensburger Innenstadt hat:
- Man zahlt in der Altstadt in der Regel (noch) hohe Mietpreise, egal ob die Wohnlage nun ruhig oder laut ist.
- Die Nahversorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs findet so gut wie nicht mehr in der Altstadt statt (siehe DEZ, Supermärkte, Baumärkte usw.).
- Einige Verwaltungsstellen sind bereits aus der Altstadt heraus verlagert.
- Parkplätze sind absolute Mangelware, wenn man nicht einen sündteuren Privatstellplatz sein Eigen nennt.
- Die Feinstaubbelastung ist in einigen Straßenzügen ungleich höher als außerhalb der Altstadt.
- Die übrigen "Annehmlichkeiten" wie Lärm, Verschmutzung, Vandalismus, Gewalt wurden bereits beschrieben.
... UND TROTZDEM lieben wir die Altstadt und gerade DESHALB kämpfen wir darum, sie nicht weiter missbrauchen zu lassen!

 

... Solche Probleme gibt es aber doch nicht nur hier ...
Ist das ein Grund, sich damit abzufinden?
Wir meinen: Wem seine Heimatstadt am Herzen liegt, der hat das gute Recht und sogar die Pflicht, sich gegen eine "Verballermannisierung" zu wehren.

 

 

 

Z U S A M M E N F A S S U N G :

Die BIBA tritt den teils untragbaren Zuständen für die Altstadtbewohner und auch einer "Imageverschlimmbesserung" der Altstadt entgegen. Man darf sich nicht von Titeln wie dem Unesco-Welterbe blenden lassen, denn das ist nur eine Seite der Medaille.

Uns Altstadtbewohnern liegt unser Lebensraum tatsächlich am Herzen, weil wir die historische und kulturelle Einzigartigkeit unseres Regensburg wertschätzen und vor allem dessen Liebenswürdigkeit auch erhalten wollen.

Niemand muss befürchten, dass ein rücksichtsvolleres und ruhigeres Regensburg zur "Geisterstadt", zur "Provinz" oder zum "Freilichtmuseum" wird. Vielmehr steckt darin eine Chance, eine neue Form der Stadtkultur zu entwickeln, um die uns vielleicht irgendwann viele vergleichbare Städte beneiden, die allmählich in Lärm, Müll und Angst zu ersticken drohen.